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Bulletin Jugend & Literatur

Kritisches Monatsmagazin für Kinder- und Jugendmedien, Leseförderung und Lesekultur

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    Jungen lesen anders. Mädchen auch!

     
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    Autor Nachricht
    Admina
    Site Admin


    Anmeldedatum: 12.12.2008
    Beiträge: 5

    BeitragVerfasst am: 09.06.2009, 16:44    Titel: Jungen lesen anders. Mädchen auch! Antworten mit Zitat

    Keine Frage: Leseförderung für Jungs ist wichtig, denn es gibt definitiv mehr leseschwache Jungs als Mädchen. Auf Grund dessen scheinen viele Menschen, auch aus der KJL-Szene, der Ansicht zu sein, dass Lesförderung für Mädchen unsinnig ist und damit eingestellt werden muss. Einige davon würden es sogar gerne sehen, wenn Mädchen gar nicht mehr lesen würden. Zusätzlich machen diese die Frauen für die Misere der leseschwachen Jungs verantwortlich.

    In der bjl Ausgabe 1/2006 findet man im Artikel: JUNGE, JUNGE! DIE VERGESSENEN LESER u.a. die folgenden Äußerungen:
    Jungspflege in der Bibliothek:
    "Der weibliche Zugriff wird nicht zu verhindern sein. Frauen/Mädchen sind
    medial immer schneller und anpassungsfreudiger." (Robert Elstner)

    "...Eine strikte Teilung jedoch wäre ebenso verkehrt. »Mann« will gesehen und bewundert werden, und wenn Mädchen im Hintergrund ein wenig »gackern«, kommt das immer gut. Was in den Verlagsprogrammen trotz aller Bemühungen noch immer zu kurz kommt, sind die wirklich »coolen Books«, mit denen Jungen sich sehen lassen können. Produktreihen wie »Für Mädchen verboten « sind ja nett gedacht. Die Christian-Oelemann-Titel ziehen Mädchen jedoch geradezu magisch an...."
    (Robert Elstner)

    Artikel: Mädchen lesen anders. Jungen auch.
    Die Erfahrungen bei Thienemann mit geschlechterdifferenzierter Literatur:
    "...Nicht »man« drückt jedoch in die Hand, sondern »frau«: Die Kinder- und Jugendliteraturszene wird von Frauen beherrscht. Frauen entscheiden darüber, was Jungen zum Lesen vorgesetzt bekommen. Bei den Autoren ist das Verhältnis von Männern und Frauen meiner Beobachtung nach noch fifty-fifty. Die Lektorate in den Kinderbuchverlagen sind jedoch vor allem von Frauen besetzt (ich selbst bin da, wie gesagt, eine seltene Ausnahme und stehe gewissermaßen unter Artenschutz) –, und da sind wir wieder bei den klassischen geschlechtsspezifischen Berufsbildern. Die Frauendominanz setzt sich in der Vermittlungskette von Kinderliteratur ungebrochen fort: Die Lektorinnen wählen aus, welche Bücher veröffentlicht werden (und welche nicht) und stimmen gemeinsam mit den Autorinnen und Autoren ab, was darin steht (und was nicht). Kinder- und Jugendbuchabteilungen in den Buchhandlungen werden nahezu immer von Frauen geführt, die entscheiden, welche Titel in welchen Stückzahlen eingekauft werden (und welche nicht). Gekauft werden Kinder- und Jugendbücher ebenfalls vor allem von Frauen, insbesondere von den Müttern, weil die ja meistens für die Erziehung und für die Beschaffung von Geburtstagsgeschenken zuständig sind. In Kindergärten und Kindertagesstätten das
    gleiche Bild: Kinderliteratur wird von Frauen begutachtet, ausgewählt und ermittelt.
    Ebenso verhält es sich in den Grundschulen und in den Bibliotheken. Letzten Sommer habe ich diesen Vortrag auf einer Fortbildung für Bibliothekare gehalten, genauer: vor drei Bibliothekaren und 57 Bibliothekarinnen. Damit möchte ich nur auf diesen Sachverhalt aufmerksam machen, weil ich darin einen von vielen, wirklich vielen Gründen sehe, weshalb es für einen Verlag nicht ganz einfach ist, spezielle Literatur für Jungen zu veröffentlichen und »an den Mann« zu bringen. ..." (Stefan Wendel, Programmleiter im Thienemann Verlag)

    Sicherlich sind diese Aussagen schon vor mehr als 3 Jahren gemacht worden, aber leider gibt es diese oder ähnliche auch heute noch, die mensch im Internet finden kann:

    http://www.taz.de/1/zukunft/wissen/artikel/1/world-of-warcraft-als-koeder/
    "...Als Jürgen Hees vor zehn Jahren die Kinder- und Jugendabteilung einer Buchhandlung übernahm, stand er vor einem Phänomen: Seine jugendliche Kundschaft bestand fast nur aus Mädchen. Jungs kamen so gut wie keine. Allenfalls ließen sie sich zwangsweise blicken..."

    "Uns Männern werden nur Krimis, Fantasy und Sachbücher angeboten. Action? Berichte von Soldaten in Irak usw., Abenteuer? Romane aus den Büros der globalen Firmenwelten? Nix und Nada. Sowas können auch die Händler nicht empfehlen, denn inzwischen gibts ja nur noch Buchhändler/innen die dafür null Interesse haben. Kein Wunder lesen immer weniger Männer. Uns wird nichts angeboten. Als Zielgruppe sind wir aufgegebn worden. Immer nur der selbe Schmu. Sehr Schade."

    http://www.tagesschau.de/kultur/meldung121686.html
    "...Literatur-Vermittlung sei nun einmal von Frauen dominiert, meint der Autor Frank Reifenberg im tagesschau.de-Interview. Jungs haben da wenig, womit sie sich identifizieren können...."

    ''...Es wird also mit etwas Weiblichem konnotiert. Gerade weibliche Attribute gehören aber in den wichtigsten Entwicklungsphasen absolut nicht zu ihrem Rollenverständnis, im Gegenteil, Jungs scheuen sie wie der Teufel das Weihwasser. ..."


    "Und wo bleiben die Mädchen?"
    Wenn Mädchen wirklich und unbedingt im Lesen gefördert werden sollen und Sie auch absolut nicht von dieser (absolut schwachsinnigen) Idee abzubringen sind (aber bitte nur dann...), dann kann vielleicht und unter Umständen und wenn Sie ihn überzeugen ggf. auch Herr Frank M. Reifenberg weiterhelfen. http://lesefoerderungfuerjungen.wordpress.com/und-wo-bleiben-die-madchen/
    Super, gel?


    Mein Fazit:
    1. Es gibt nur dominante Frauen, die ihren Männern Gewalt androhen, wenn sie unterbezahlte Jobs, wie z. B. Buchhändler, Bibliothekar o.ä. werden oder (ihren) Kindern Bücher kaufen wollen. Oder gibt es gar Gesetze, die dieses den Männern verbieten?
    Wahrlich. Männer sind schon bedauernswerte Geschöpfe...
    2. Wenn "wir" die Frauen und Mädchen verschwinden lassen, dann brauchen sich auch die Jungs (von morgen) nicht mehr mit den "weiblichen" Attributen herumschlagen und können cool durchs Leben stapfen...
    Obwohl und wenn ich' s mir recht überlege:
    Selbst die Wirtschaft (Info für die coolen Männer: hier ist nicht die Gastwirtschaft gemeint) hat die "weiblichen" Attribute für sich entdeckt. Wäre es da nicht besser, diese auch zu "männlichen" Attributen zu machen, damit die Jungs auch morgen noch die selben Chancen im Berufsleben haben wie die Mädchen?

    Mein Wunsch...
    ...ist es, dass wir zukünftig den Geschlechterkampf einstellen und uns vornehmlich der Leseförderung für Jungen und Mädchen widmen. Denn leider gibt es auch viele Mädchen, die dieser Förderung bedürfen, wobei ich da nicht nur die Quantität, sondern auch das "Was" im Auge habe.

    Nur meckern gilt nicht. Deswegen beabsichtige ich (wir) hier auf bjlonline eine neue Rubrik einzurichten, die der Leseförderung von Mädchen vorbehalten sein soll. Diese wird u.a. Buchvorschläge nur für Mädchen und hoffentlich irgendwann auch Tipps, Links, etc. beiinhalten. Über (weibliche und männliche) Unterstützung in Form von Ideen und Beiträgen/Infos würde ich mich sehr freuen.

    Zum Schluss und ganz ernst gemeint:
    Um niemand zu benachteiligen, können wir das auch für die Jungs tun.
    "Alles kann, nichts muss…" (Frank M. Reifenberg)
    Wink

    Unabhängig vom Geschlecht wünsche ich Ihnen einen erholsamen Feierabend.
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