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Bulletin Jugend & Literatur

Kritisches Monatsmagazin für Kinder- und Jugendmedien, Leseförderung und Lesekultur

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    Was ist eigentlich ein 'gutes' Kinderbuch?

     
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    Autor Nachricht
    christind



    Anmeldedatum: 08.06.2009
    Beiträge: 1

    BeitragVerfasst am: 08.06.2009, 17:01    Titel: Was ist eigentlich ein 'gutes' Kinderbuch? Antworten mit Zitat

    Hallo,

    bjl online hat mir den Tipp gegeben mich mit meiner Frage einmal an das Forum hier zu wenden. Ich studiere Kindheitswissenschaften an der Hochschule Magdeburg-Stendal und schreibe gerade meine Abschlussarbeit zum Thema Kinderliteratur und versuche herauszufinden, was eigentlich ein Kinderbuch zu einem guten Kinderbuch macht.

    Ich habe die tollen Empfehlungslisten bei bjl Online gefunden. Mich würde nicht nur interessieren, was die Redaktion für Anforderungen an Kinderbücher hat, sondern auch diejenigen, die die Seite und das Forum nutzen, also ihr! Welche Kriterien müssen sie erfüllen? Schreibt mir doch, worauf ihr achtet, wenn ihr ein Kinderbuch lest und entscheiden müsst, ob es gut ist oder nicht

    Ich habe schon einige solcher Kriterien von renommierten Preisgebern (wie dem deutschen Jugendliteraturpreis) und ähnlichem erhalten und er wäre toll, wenn ich auch die Meinungen von euch in meiner Arbeit verwenden könnte. Eventuell kommen dabei noch ganz andere Aspekte heraus.

    Ich freue mich schon auf eure Antworten (oder auch Fragen an mich)
    liebe Grüße,
    Christin
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    Admina
    Site Admin


    Anmeldedatum: 12.12.2008
    Beiträge: 5

    BeitragVerfasst am: 09.06.2009, 13:05    Titel: Antworten mit Zitat

    Hallo Christin,
    damit keine Missverständnisse aufkommen:
    Ich bin "nur" die Webdesignerin dieses Internetauftritts und keine Fachfrau in Sachen KJL. Dennoch habe ich eine eigene Meinung, die ich hier gerne äußere und wie folgt lautet:

    Wenn "Sachbücher" Fakten und Daten nicht nur gut/interessant rüberbringen und zum Nachdenken anregen, sondern Lust auf mehr machen, dann stehen diese ganz oben auf meiner Empfehlungsliste. Dazu gehören m. E. die Bücher "Goethe und des Pudels Kern" und "Anna am Freitag (Ein Roman über Sprache)".

    Auch Bilderbücher und Belletristik dürfen nicht langweilig sein. Das gilt auch schon für den Titel und die Bilder, wobei diese im Regelfall zum Inhalt und Stil des Buches passen sollten. Und was ist langweilig? Wenn eigentlich nichts passiert, keine Spannung aufgebaut wird und/oder man nichts zum Lachen hat.
    Punktabzug gibt es für Bücher, die die Idee eines anderen nur kopieren, selbst dann, wenn Sie frecher sind. Das Buch "Pups" gehört dazu. Das Selbe gilt auch für Bücher, wie z.B. Prinzessin Lillifee, die die bekannten Rollenklischees unterstützen.

    Auch wenn die Bücher für Kinder und Jugendliche geschrieben wurden, bekommt das Buch einen Stern mehr, wenn ich es auch spannend oder lustig finde. Dabei ist es unwichtig, ob die Kinder an den selben Stellen und/oder aus den selben Gründen lachen, wie ich. Denn nur dann, werde ich dieses Buch gerne ein 2., 3. oder auch 4. Mal vorlesen und den Kindern gleichzeitig vermitteln, dass Geschichten (vor-)lesen Spaß macht, selbst dann, wenn man sie bereits kennt. Die Bücher "Die Böse Buben AG", "Wie ich Papa die Angst vor Fremden nahm" und "Oh Schreck, Mama ist weg!" gehören zu dieser Art Büchern, die ich bereits mehrfach und gerne vorgelesen habe. Noch einmal? Herzlich gerne. Wink

    Ich hoffe, dass ich nichts Wesentliches vergessen habe und meine Antwort Dir weiterhilft.
    Elke
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    bjl Redaktion



    Anmeldedatum: 12.12.2008
    Beiträge: 1

    BeitragVerfasst am: 16.06.2009, 13:49    Titel: Antworten mit Zitat

    Barbara von Korff-Schmising hat hier sehr gut zusammengefasst, was ein »gutes Kinderbuch« für sie und für die Eulenjury ist:

    Feststehende Kriterienlisten gibt es nicht, kann es nicht geben. Eine gewisse Rolle spielt die Frage des Innovativen. Hat es dieses Thema schon einmal in einem Kinderbuch gegeben? Oder wird ein altes Thema aus einer neuen Perspektive beschrieben. Kommt der Autor/Autorin zu einem neuen, originellen Schluss? Ein Buch, das eine Auszeichnung verdient hat, sollte also nicht epigonal in sattsam bekannten Fahrwassern schwimmen. (Übrigens meist ein gutes Verkaufskriterium)

    Kinderbücher werden aber auch, wie die Erwachsenenliteratur, sprachlich und formal beurteilt, sowie auf ihre Strukturierung, Spannung und Anbindung an die reale Situation moderner Kindheit. Gerade, wenn es um sprachliche und formale Qualität geht, steht die subjektive Meinung des Beurteilenden im Vordergrund. Diese wiederum setzt sich aus seiner speziellen Lese- und Lebenserfahrung, aus seinem allgemeinen Bildungsniveau, manchmal Alter und Geschlecht zusammen. Man fragt sich in diesem Zusammenhang, wie es zu einem einhelligen Urteil kommen kann. Das liegt wohl daran, dass Juroren sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Lesestoff für Kinder beschäftigt haben und so mit der Messlatte des Vergleiches arbeiten können. Darüber hinaus übt man durch Rezensionen die Fähigkeit, das eigene Urteil zu formulieren, zu objektivieren und eine reine Geschmacksache ins rationale Argument zu überführen. Dies ist ein gutes Korrektiv subjektiver Empfindungen. Es kommt also meist ganz ohne Kriterien oder gar Kriterienlisten zu einem gemeinsamen Urteil. Unüberbrückbare Differenzen sind höchst selten.

    Das Ziel solcher Empfehlungen ist natürlich der Wunsch, Eltern und Kinder an gute Literatur heranzuführen und ihnen einen Leitfaden durch die große Menge an Neuerscheinungen zu geben. Außerdem sollen Autoren und Verlage, die sich von der Massenproduktion abheben, die keine Angst vor dem Experimentellen und Neuen haben und auf diese Weise zu einer dynamischen Weiterentwicklung künstlerischer Formen für Kinder beitragen, hervorgehoben werden. Wir glauben, auf diese Weise etwas für die Lese- und Sprachförderung der Kinder zu tun und ihnen Bücher zu empfehlen, die sich mit den Fragen, Interessen und Irritationen zeitgenössischer Kinder befassen. (Und nicht etwa mit denen, die der Autor als Kind gehabt hat) Expertinnen der Kinderliteratur mögen weder allzu glatte Problemlösungen, noch die absurde Problemanhäufung – siehe Vorabendserie –, die Sensationslust, Sentimentalität oder Selbstmitleid der Rezipienten schüren. Meist nur 2 Minuten lang.
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